Erinnerungsseite
Benny Bohn

Was ist passiert?

(Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass sich meine Schilderung auf meine persönlichen Eindrücke und die Gespräche mit dem ärztlichen und pflegerischen Personal stützt und auf bereits vorliegende medizinische Gutachten. Im Moment werde ich aus verfahrenstechnischen Gründen keine weiteren Details, wie bspw. das Krankenhaus, benennen.)

 

  • Am 07.05.2013 erfolgte planmäßig die Trichterbrust-OP im Klinikum…. Der Operateur war mit dem Verlauf der OP zufrieden. Es mussten 3 Bügel eingesetzt werden. Die ersten postoperativen Tage verliefen adäquat.
  • Ab dem 3. postoperativen Tag verschlechterte sich der Gesundheitszustand. Benny und auch ich als Mutter haben die Ärzte und die Schwestern/Pfleger jeden Tag auf die Beschwerden aufmerksam gemacht. Er erbrach ständig und hatte Bauchweh, ihm war übel, er konnte kaum essen, hatte starke Rückenschmerzen….
  • Am 13.05.2013 ging es ihm sehr schlecht. Ich habe den Operateur noch einmal auf den schlechten Zustand und Bennys Beschwerden hingewiesen. Er versprach sich zu kümmern und einen anderen Facharzt einzuschalten. Beruhigt verabschiedete ich mich von Benny. Das war das letzte Mal, dass ich ihn bei Bewusstsein sah. Kurz danach informierte er, dass ein Gespräch mit dem Gastroenterologen stattfand. Auf dem Heimweg bekam ich eine SMS von Benny (die letzte SMS):

Entschuldige nochmal für die Umstände und dass ich den Mamatag gestern vergessen habe. Wir holen das mit nem fetten Eisbecher nach und danke, dass du für mich da bist. Du bist echt die beste Mama, die man sich nur wünschen kann und ich liebe dich <3  13.05.2013 18:48

  • Meine Antwort (die letzte SMS an Benny):

Du musst dich für nichts entschuldigen. Alles ist gut. Ich bin gern bei dir, wenn es dir hilft. Du bist der beste Sohn der Welt. Leg dich nachher hin, höre Xaver und denk an mich. Ich tue das Gleiche, denke natürlich an dich.hdl. 13.05.2013 19:03

  • Am nächsten Morgen um 6:15 Uhr rief Benny mich an (seine letzten Worte):

Mama hilf mir. Mir geht es so schlecht und keiner hilft mir. Ich kann nicht mehr.

  • Etwa um 6.20 Uhr rief ich auf der Station an und sprach mit dem Pfleger der Nachtschicht. Ich fragte ihm, was da los sei, mein Sohn habe verzweifelt bei mir angerufen, da es ihm so schlecht ging und keiner ihm hilft. Er sagte, dass Benny sich nicht wundern müsse, dass es ihm so schlecht ginge. Schließlich nehme er ja seine Medikamente nicht. Ich wies ihn darauf hin, dass der Operateur mir am Sonntag sagte, dass alle Medikamente aufgrund der Beschwerden abgesetzt wurden. Dazu sagte er nichts. Ich sagte ihm, dass ich auf dem Weg zu meiner Arbeit jetzt vorbeikommen werde und nachschauen, was da los ist.
  • Ca. 7:10 Uhr kam ich an. Ein Pfleger (vermutlich der Pfleger des Nachtdienstes) fragte mich, wer ich sei. Als ich meinen Namen nannte, informierte er mich, dass mein Sohn reanimiert werden musste, jetzt auf der Intensivstation liege. Ich ruhig erst einmal arbeiten gehen könnte, da jetzt weitere Untersuchungen anstehen.
  • Nach meiner Recherche hatte Benny eine sehr schlechte Nacht. Er hatte starke Schmerzen, er erbrach, konnte nicht zur Toilette gehen. Nachdem er diverse Schmerz- und Abführmittel erhalten hatte, war er völlig entkräftet. Er konnte nur mit hochgestelltem Kopfteil im Bett sitzen. Die meiste Zeit verbrachte er seit dem 10.05. in einem Sessel. Nach meinem Anruf ist der Frühdienst zu Benny gegangen. Es wurde, trotzdem er sagte, dass er nicht flach liegen könne, der Hebel des Bettes betätigt. Sobald er flach lag, erbrach er. Er aspirierte (erstickte an seinem Erbrochenen). Aus der Dokumentation der Ärzte gehen unterschiedliche Reanimationszeiten hervor (zwischen 20 und 30 Minuten).
  • Nach einer Not-OP lag Benny bis zum 08.06.2013 im Koma. Er wurde zwischendurch auch in ein anderes Klinikum verlegt und musste noch einmal operiert werden. Am 08.06.2013 ist er von uns gegangen, ohne noch einmal das Bewusstsein wiederzuerlangen.
  • In zwei Arztgesprächen in dem Klinikum wurde mir von dem Chefarzt eine Aufklärung der Geschehnisse versprochen und Transparenz zugesichert. Ich weiß bis heute nicht, was Transparenz für diesen Arzt bedeutet. Die von mir angeforderte Patientenakte war nicht vollständig und nach den beiden erfolgten Arztgesprächen habe ich als einzige Mitteilung eine Beileidsbekundung erhalten.
  • Zwischenzeitlich liegen die ersten medizinischen Gutachten vor, die zusammenfassend nicht mehr verständliche Fehler aufzeigen. Weitere Einzelheiten möchte ich aus verfahrenstechnischen Gründen hier nicht äußern.

Diese ganzen Geschehnisse machen einfach nur wütend. Diese Fehler, diese Arroganz, mit der man Benny begegnete, diese Ignoranz, gegenüber seinen Beschwerden, die Transparenz, auf die ich bis heute warte. Das Schlimmste für mich  waren die arroganten und herzlosen Äußerungen dieses Pflegers am Telefon, dann persönlich nach der Reanimation und auch danach in seiner schriftlichen Stellungnahme zu den Geschehnissen der Nacht.

Was wünscht man denen, die sich schuldig gemacht haben? Das muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich persönlich wünsche allen, die Benny vom 10. bis 14.05.2013 (6.30 Uhr) “behandelt” haben, erst einmal überhaupt ein Gewissen, und dass jede/jeder Einzelne unter dem schlechten Gewissen so schlimm und so lange leiden muss, wie ich unter dem Verlust meines geliebten Sohnes Benny leide.

                                                                                                      Christina Bohn

Nachtrag vom 01.04.2015- Das Sachverständigengutachten liegt jetzt vor- Fazit: Benny könnte noch leben- mit an Sicherheit grenzender Sicherheit hätte eine frühere Diagnostik und körperliche Untersuchung Bennys Versterben verhindert.