Erinnerungsseite
Benny Bohn

 

 

14.12.2013

Mein lieber Benny, heute vor 7 Monaten ist das Schreckliche passiert. An jedem 14. kommen mir diese Bilder, unser letztes Telefonat, unsere Hoffnung, unsere Gebete, aber auch die herzlosen, kalten, arroganten Worte dieses Pflegers in den Sinn. Alles wird wieder real. Jede Minute dieses Tages erlebe ich und durchleide ich erneut. Für mich ist das Alles immernoch nicht wirklich zu begreifen. Es gibt keinen Tag ohne Tränen, keinen Tag ohne 1000 Gedanken an dich, keinen Tag ohne den Wunsch, diese verdammte Zeit zurückzudrehen. Ich vermisse dich so sehr. In Liebe Mama

Keine Worte können besser ausdrücken, was ich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute fühle. Diese Zeilen spiegeln fast alle meine Gefühle und Gedanken wieder. Dieser Text wurde uns bei meinem ersten Besuch in der Selbsthilfegruppe vorgelesen.

 http://www.trauernde-mütter-und-väter.de/

Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an

Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos.

Die Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.

 

Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.

 Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann.

Drängt uns nicht, so zu sein wie früher, wir können es nicht.

Denkt daran, dass wir in Wandlung begriffen sind.

Lasst euch sagen, dass wir uns selbst fremd sind.

Habt Geduld.

 

Wir wissen, dass wir Bitteres in eure Zufriedenheit streuen,

dass euer Lachen ersterben kann, wenn ihr unser Erschrecken seht,

dass wir euch mit Leid konfrontieren, das ihr vermeiden möchtet.

 

Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen.

Wir haben die Sicherheit verloren, in der ihr noch lebt.

 

 Aber verzeiht: unser Leid ist so übermächtig, dass wir oft vergessen,

dass es viele Arten von Schmerz gibt.

 

Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammeln können.

Unsre Kinder begleiten uns.

Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen.

 

Wir hören euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.

Nehmt uns an, wenn wir von unseren Kindern und unserer

Trauer zu sprechen beginnen.

Wir tun das, was in uns drängt.

Wenn wir eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam.

 

 Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor euch.

Teilt mit uns den Glauben an sie.

Noch mehr als früher sind sie ein Teil von uns.

 

Wenn ihr unsere Kinder verletzt, verletzt ihr uns.

Mag sein, dass wir sie vollendeter machen, als sie es waren,

aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.

Zerstört nicht unser Bild.

Glaubt uns, wir brauchen es so.

 

 Versucht, euch in uns einzufühlen.

Glaubt daran, dass unsere Belastbarkeit wächst.

 

Glaubt daran, dass wir eines Tages mit neuem Selbstverständnis leben werden.

Euer Zutrauen stärkt uns auf diesem Weg.

Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen,

werden wir euch freier begegnen.

Jetzt aber zwingt uns nicht mit Worten und Blick, unser Unglück zu leugnen.

Wir brauchen eure Annahme.

 

Vergesst nicht: wir müssen so vieles von neuem lernen.

Unsere Trauer hat unser Sehen und Fühlen verändert.

 

Bleibt an unserer Seite.

Lernt von uns für euer eigenes Leben.

 

 Erika Bodner

Quelle: Noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens (Buch) von Mechthild Voss-Eiser-Kreuz-Verlag