Erinnerungsseite
Benny Bohn

Ich sehe dich…

Ich sehe dich, wie wir gemeinsam Plätzchen gebacken haben. Die Rollen waren gerecht aufgeteilt. Ich habe den Teig ausgerollt, du hast ausgestochen und den Teig genascht. Nach dem Backen habe ich die Plätzchen verziert und du hast sie weggenascht. Später kam Jennys Hilfe dazu, sie hat einen Teil meiner Aufgaben übernommen und dir beim Naschen geholfen. Wie gern würde ich heute mit dir Plätzchen backen.

Ich sehe dich, wie ich mit dir zwei Wochen nach deiner Geburt nach Hause kam. Du lagst in diesem Kissen, man konnte dich kaum sehen. Wir haben so lange auf deine Entlassung gewartet. Heute musste ich besonders daran denken, weil ich heute an unserem ersten Zuhause vrbeikam. Ich bin  in meiner Erinnerung ertrunken.

Ich sehe dich, wie du lachst, weil deine Schwester so lebenslustig rumtanzt und wie du zu ihr sagst- nimm die Hälte oder gib was ab. Wir mussten alle so herzlich lachen.

Ich sehe dich, wie du mir in deiner neuen Wohnung einen Hackbraten gekocht hast. Er war sehr lecker. Es war so schön, dass du deine Lieblingsessen so toll kochen konntest. Du warst so stolz, dass er so gut gelungen war, nicht zerfallen ist.

Ich sehe dich, wie du in unserem Skoda gesessen hast, du hast auf dem Fahrersitz gesessen und am Lenkrag gespielt. Autos waren deine Welt.

Ich sehe dich, wie du deine Sachen gepackt hast, um zu deine Oma übers Wochenende zu fahren. Also ich habe die Sachen gepackt und du deinen Autokoffer. Du hast deine Autos, die mitmussten, genaustens ausgewählt und dann obenauf deinen Autoteppich gelegt. Koffer zu und los ging es.

Ich sehe dich, wie du dich gefreut hast, als du dein erstes Türchen von deinem Weihnachtskalender geöffnet hast. Ich habe jedes Jahr deinen Kalender gefüllt. Du warst so aufgeregt. Als du klein warst, war im ersten Türchen immer ein Auto. Deine Augen glänzten schon am frühen Morgen.

Ich sehe dich, wie du dich über dein Lieblingsessen- Königsberger Klopse – hergemacht hast. Du hast sie so geliebt, am Besten noch mit einem gekochten Ei. Später hast du sie sogar selbst gekocht. Ich kann sie nicht mehr essen.

Ich sehe dich, wie du nach der Geburt von Jenny uns im Krankenhaus besuchen kamst. Du hast dich so gefreut, als du deine Schwester sahst. Ich habe sie dir in die Arme gelegt oder besser auf die Arme. Du hast vor Aufregung vergessen zu atmen. Du warst ganz behutsam und ängstlich, dass du sie wecken könntest. Du hast ihr ein Küsschen auf die Wange gegeben und wie hat sie dir gedankt?- Sie hat angefangen zu schreien. Später, wenn wir uns das erste Foto von euch angeschaut haben, haben wir immer gesagt, dass du sie gehalten hast, wie ein Brot. Bei deinem Finn warst du ein paar Jahre später schon viel sicherer.

Ich sehe dich, wie du mir nach der Geburt in den Arm gelegt wurdest. Du warst so winzig und zart und hast nur geschrien. Wenn ich daran denke spüre ich dich. Ich vermisse dich so sehr, mein “Kleiner”.

Ich sehe dich, wie du Fahrradfahren gelernt hast, du hast dich nicht getraut und dann.., bist du einfach losgeradelt, wurdest immer schneller  und plötzlich warst du im Busch verschwunden, nachdem du das Gleichgewicht verloren hattest. Du warst tapfer- hast nicht geweint, rauf auf dein Rad und weiter ging es.

Ich sehe dich, wie du mir in deinem Transporter entgegenkommst, winkst, lachst und Lichthupe machst. Wenn mir jetzt ein Transomed-Auto entgegenkommt stelle ich mir immer vor, dass du drin sitzen könntest. Jedesmal kommen mir die Tränen.

Ich sehe dich, wie wir in Zech Eis essen waren- du mit deinem Pizzateller.

Ich sehe dich, wie du hier auf der Wiese gelegen hast und dich gesonnt hast.

Ich sehe dich, wie du mit Jenny über die Steine im Bach geklettert bist in unserem Urlaub. Du hast Jenny genau gesagt. auf welche Steine sie treten soll und welche sie meiden soll, weil sie so glitschig waren.

Ich sehe dich, wie du mit Jenny im Arm die Sommerrodelbahn herunter kamst, weil ihr gespürzt ward und Jenny verletzt war. Ihr habt beide geweint und du hast sie dabei getröstet.

Ich sehe dich, wie du lachst und dabei Lachfältchen an den Augen hast.

Ich sehe dich, wie du auf unserer Relaxeliege liegst und die Zeitung liest.

Ich sehe dich, wie du auf deiner neuen Couch in deiner neuen Wohnung liegst und glücklich lächelst.

Ich sehe dich, wie du uns mit Finn besuchen kommst, ihn an der Hand hältst.

 

Ich sehe dich, wie du mit Jenny auf unserer Wiese einen Schneemann baust, Jenny

hochhebst, dass sie die Möhrennase reindrücken kann.

 

Ich sehe dich, wie du noch in Königs Wusterhausen mit Jenny auf dem Schlitten

losziehst, um mit ihr zu rodeln.